Pfarrkirche---Kloster

Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt Aufkirchen

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MariäHimmelfahrtklein

Mariä Himmelfahrt in Aufkirchen am Starnberger See
Patrozinium: 15. August

Lage.

Auf einem der lang gezogenen Moränenhügel am Ostufer des Starnberger Sees erhebt sich weithin  sichtbar die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt Aufkirchen. Nur eine  Gehstunde von dem viel besuchten und legendenumwobenen Schloss Berg entfernt,  beherrscht die Kirche die Landschaft. Von hier aus bietet sich nach Süden eine  beeindruckende Sicht auf das Voralpenland und die Alpenkette. An Sonn- und  Feiertagen ist die Kirche abends angestrahlt und leuchtet dann weit über den See.

Geschichte.

Aufkirchen ist als Ufkiricha urkundlich erstmals gegen Ende des 10. Jh.  nachweisbar. Zu jener Zeit schenkte unter Bischof Gottschalk (994-1005) ein Graf  Otto den Ort dem Freisinger Domstift. Der Name Aufkirchen, d.h. die Kirche auf  einer Anhöhe, zeigt, dass sich hier schon damals ein Gotteshaus befunden hat.  Wann dieses oder eventuell sogar ein Vorgängerbau errichtet wurde, ist  unbekannt. Die Größe der Pfarrei im Mittelalter legt nahe, dass Aufkirchen ein alter Pfarrsitz ist, dem später errichtete Kirchen der Umgebung als Filialen  zugeordnet wurden. Vermutungen gehen sogar dahin, Aufkirchen mit dem in den Freisinger Traditionen genannten Ort "Germania vel ad monte” gleichzusetzen.  Dieser Hypothese zufolge stand bereits 769 an der heutigen Stelle eine  Marienkirche.

Für den Zeitraum vom 10. bis zum 15. Jh. finden sich nur wenige  Quellen zur Geschichte des Ortes und der Kirche. Erster namentlich bekannter  Pfarrer war Friedrich, der 1307 bezeugt ist.

Zu Beginn des 14. Jh. hatte die  Pfarrei eine beträchtliche Ausdehnung: Die Matrikel Bischof Konrads von Freising  aus dem Jahr 1315 nennt als Filialen Aufkirchens: Wangen, Haarkirchen, Biberkor, lcking, Walchstadt, Berg, Farchach und Mörlbach; später kamen Allmannshausen und  Kempfenhausen hinzu. Heute gehören nur noch Allmannshausen, Berg, Farchach und  Mörlbach zum Pfarrsprengel.

Gegen Ende des Mittelalters setzte eine rege  Wallfahrt nach Aufkirchen ein. Das damalige Kirchlein erwies sich als zu klein,  um die Vielzahl der Pfarrangehörigen und Wallfahrer aufnehmen zu können. Im  Frühjahr 1499 wurde ein Neubau unter Pfarrer Ulrich Hueber begonnen. Den  Bauplatz hatten der Gründungslegende nach zwei Ochsen gewiesen, die von Aufhausen her, ohne angetrieben zu werden, einen Wagen mit einem schweren Tuffstein ziehend - bei der alten Kirche stehen geblieben waren. Für die  Pfarrgemeinde war dies ein Zeichen göttlichen Willens, dass die Kirche an dieser Stelle errichtet werden sollte. Schon während des Baues ereigneten sich  viele Wunderzeichen, die zu Beginn des 17. Jh. der damalige Pfarrherr Georg Colonus - wohl nach alten Überlieferungen - aufschrieb.

Am 4. Januar 1571 verlieh der bayerische Herzog Albrecht V. dem Münchner Patrizier Georg Ligsalz  die Hofmarksgerechtigkeit für Berg und Aufkirchen. Im folgenden Jahrhundert  wechselten die Hofmarksherren rasch. 1676 kaufte Kurfürst Ferdinand Maria die  Hofmark aus dem Besitz der Familie Hörwarth zu Hohenburg. Ein Jahr später ließ  er sich vom Freisinger Bischof das vollständige Patronatsrecht für die Pfarrei  übertragen. Sein Sohn, Kurfürst Max Emanuel, übergab die Pfarrei 1688 dem Orden  der Augustiner-Eremiten, der daraufhin in Aufkirchen eine Niederlassung gründete. Erster Superior und Pfarrer war P. Joseph Staffir. Berühmtester  Vertreter seines Ordens war in Aufkirchen der Gelehrte und geschätzte  Barockprediger Gelasius Hieber, der hier 1724-1730 als Superior wirkte und Teile seines beachtlichen Gesamtwerkes verfasste. Auch ein Aufkirchener Wallfahrtsbüchlein stammt aus seiner Feder. Unter den Augustiner-Eremiten blühte  die Wallfahrt nach Aufkirchen. Die Kirche war zu dieser Zeit so berühmt, dass sie um 1720/30 im Bürgersaal an der Neuhauser Straße zu München in den von Franz  Joachim Beich gemalten Zyklus der 13 bedeutendsten kurbayerischen  Marien-Wallfahrtsorte aufgenommen wurde.

Bei der Säkularisation 1803 wurde die Ordensniederlassung in Aufkirchen aufgelöst. Der letzte Augustiner-Superior Bonaventura Kolb blieb jedoch nach Ablegung seines Ordenskleides bis 1815 auf seiner Pfarrstelle.

Im 19. Jh. entwickelte sich Aufkirchen zum wichtigsten Schulort am Ostufer des Starnberger Sees. Mehrfach wurde mit kirchlichen Stiftungsmitteln das Schulhaus erweitert oder umgebaut. Gegen Ende des  Jahrhunderts wurden das heutige Alte Schulhaus und der neue Pfarrhof, beide an der Straße nach Berg, errichtet. 1896 wurde aus dem alten Pfarrhof ein Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen, die in strenger Klausur leben. Gemäß den Konstitutionen der hl. Teresa von Avila versammeln sie sich viele Stunden am Tag zu Meditation und Gebet, stellvertretend für Menschen, die hierzu in der Hektik der Moderne keine Zeit finden. Sie versuchen durch verschiedene Arbeiten ihren Lebensunterhalt zu  verdienen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb auch Aufkirchen nicht verschont; Bomben zerstörten 1942 das ehemalige Schul- und  Mesnerhaus. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben. Die Kirche erlitt Schäden an Turm und Dach. Einen besonderen Verlust bedeutete die Vernichtung zweier Glasgemälde mit der Darstellung der Bayernherzöge Christoph und Sigmund (vermutlich 1625/26).

Baugeschichte.

Die  heutige Pfarr- und Wallfahrtskirche steht der Überlieferung nach an der Stelle einer früheren  Kapelle, die ebenfalls Maria geweiht war. Die exponierte Lage auf der Anhöhe hat zur Folge, dass der Bau Unwettern und Stürmen schonungslos ausgesetzt ist.  Dementsprechend hoch waren und sind die ständigen Bauausgaben. Die Kirchenrechnungen, die über einen Zeitraum von fast 350 Jahren erhalten sind,  geben Auskunft über die vielfältigen Renovierungen, vor allem an Außenmauern,  Turm und Dach.

Dennoch lassen sich einige Hauptbauphasen feststellen: die  Errichtung der Kirche 1499/1500, die Umgestaltung des Innenraums nach dem Brand von 1625, der Anbau der Bruderschaftskapelle 1705/06, die verschiedenen  Kirchturmlösungen im 18. Jh., die Ausstattung der Kirche im neugotischen Stil 1888-1893 sowie die Entfernung der neugotischen Einrichtung 1961/62.

Die  bestehende Kirche wurde am 18. Oktober 1500 zu Ehren der Muttergottes konsekriert. Wesentlichen Anteil am Bau hatten die Wittelsbacher Herzöge Albrecht IV. und Sigmund, die vermutlich Münchner Baumeister und Künstler hierfür gewannen, deren Namen allerdings unbekannt sind. Viele Wohltäter,  teilweise aus dem Münchner Patriziat, trugen mit ihren Spenden zu dem Neubau bei.

Im Jahr 1625 brach ein Brand aus, der die Ausstattung des Chores fast vollständig vernichtete. Obwohl Bilder und Altäre verbrannten, blieb das Gnadenbild Mariens mit dem Jesuskind wunderbarerweise unversehrt.

Die Kirche wurde bis 1627 dem Zeitgeschmack entsprechend wohl hauptsächlich durch Münchner Künstler umgestaltet und eingerichtet. Doch war dies nicht das letzte Mal in jenem Jahrhundert: 1664 und 1665/67 wurde vor allem durch Wolfratshauser Meister ein neuer Choraltar aufgestellt und 1668 eine Kanzel angebracht. Auch einige bauliche Veränderungen erfolgten damals: 1642 wurde die Sakristei an der Nordmauer des Chores beträchtlich verlängert und erhöht. Fünfzehn Jahre später fügte der Münchner Maurermeister Georg Zwerger d.J. über der Sakristei ein  Oratorium ein, dessen weißgoldene Vertäfelung der Wolfratshauser Kistler  Balthasar Göbl und dessen Stuckzier der Beuerberger Michael N. fertigte.

1678 besserte Kaspar Feichtmayr d.Ä. aus Weilheim und Bernried den Kirchturm aus, 1704 erneuerte Zimmermeister Johann Pföderl, ebenfalls aus Bernried, den Dachstuhl der Kirche. Der Augustiner-Superior Timotheus Mayr war ein eifriger Bauherr. Er beendete um 1715 den Neubau des großen Pfarrhofkomplexes (das heutige Karmelitinnenkloster), den schon sein Vorgänger P. Joseph Staffir  1699/1700 begonnen hatte. 1705/06 ließ er die barocke Kapelle an der  Langhaussüdseite errichten, die sog. Bruderschaftskapelle.

Im Jahr 1712 musste  der schadhafte Kirchturm teilweise erneuert werden. Die Arbeiten erledigten der  Weilheimer Maurermeister Magnus Feichtmayr (Sohn des Kaspar F.) und Johann  Pföderl. Unwetter setzten dem Kirchturm weiterhin zu: 1734 zündete ein Blitz, wobei der Turm bis auf die Grundmauern niederbrannte. Der daraufhin vom Polier Kaspar Schmidhammer erbaute Turm wurde schon 1747 durch einen Sturm umgerissen.  Den neuen Turm entwarf der berühmte Baumeister Johann Michael Fischer, ausgeführt wurde er von dem Wolfratshauser Maurermeister Georg Lettner. 1783 stürzte auch dieser Turm ein und verursachte Schäden am Langhaus. Zwei Jahre später wurde durch Maurermeister Anton Baumgartner aus München ein neuer Turm  errichtet. Dieser war allerdings schon nach zehn Jahren so baufällig, dass er abgerissen werden musste. Den heutigen Turm mit seiner charakteristischen Haube schuf 1795/96 der Münchner Stadtmaurermeister Matthias Widmann.

Im 19. Jh.  erfuhr die Kirche weitere Umgestaltungen. 1861/62 wurde zusätzlich zu den beiden  Hauptportalen an der Nord- und Südseite ein Eingang durch das Turm-Geschoss  geschaffen, gleichzeitig das barocke Chorgitter unter die Westempore versetzt  und entsprechend verlängert, In den Jahren 1888-1893 erfolgten  eine Renovierung und Neuausstattung im neugotischen Stil: Anton Frank aus  Holzhausen bei Vilsbiburg fertigte den Hochaltarschrein; Joseph Natzi aus München fasste die beiden neuen Seitenaltäre und die Kanzel.

Unter Pfarrer Monsignore Alfons Wimmer wurde 1961/62 die neugotische Ausstattung entfernt und die gesamte Kirche einer Renovierung unterzogen, wobei die pastellfarbene Raumfassung des 18. Jh. (1727)  freigelegt wurde. Damals wurde auch die Barockkanzel aus Degerndorf (Pfarrei Münsing) erworben und die Kreuzigungsgruppe des 18. Jh. über dem Hochaltar angebracht.  Die letzte Gesamtrestaurierung wurde 1983-1985 durchgeführt und förderte die weißgraue Raumfassung von 1625/27 zutage.

Außenbau.

KircheEin wuchtiges Satteldach (heute wieder mit Gauben), das über dem dreiseitigen  Chorschluss entsprechend abgewalmt ist, fasst Altarraum und Langhaus zusammen.

Vor der Westseite der Kirche erhebt sich in drei Stockwerken der etwas  gedrungene Turm; sein Glockengeschoß von 1795/96 ist durch Abschrägung der  Kanten achteckig; die weit herabgezogene glockenförmige Haube endet in einer  hohen Spitze mit einer vergoldeten Kugel.

Das Geläute setzt sich aus der  Matthias-Glocke (as) von 1929, Marien- (gis) und Josephsglocke (fis) von 1950 sowie der Christus- oder Gefallenenglocke (b) von 1963 zusammen. Im Norden ist  an den Chor die Sakristei von 1642 mit dem darüber liegenden Oratorium von 1657 angefügt, im Süden des Langhauses westlich des spätgotischen Vorzeichens die Bruderschaftskapelle Maria Trost von 1705/06.

Wie heute noch etwa in  Tuntenhausen zu sehen ist, lief bis 1900 am Sockelgeschoß der Kirche ein Zyklus von Mirakelbildern um, der -  erstmals nachweisbar - 1643 renoviert und erweitert worden war. Da er sehr der Witterung ausgesetzt war, musste er alle 10/15 Jahre aufgefrischt werden; unter den damit beauftragten Meistern befanden sich auch lgnaz Bidermann aus Starnberg (1704/05) und der aus Berg gebürtige Münchner Hofmaler Balthasar Augustin Albrecht (1747/48). Diese Wandgemälde sowie Hunderte von Votivbildern in den Nischen der Friedhofsmauer führten den Pilgern, die an ihnen vorbeizogen, den Segen, der von dieser marianischen Gnadenstätte seit Anbeginn ausgeht, vor Augen.

Innenraum.

Heute  gelangt man in der Regel in die Kirche durch das spätgotische Untergeschoß des  Westturms und den niedrigen Vorraum unter der Empore mit den beiden großen  Votivtafeln der Gemeinden Oberfinning (1722/1884) und Emme-ring (1635/1956).  Nach Durchschreiten des beachtenswerten Barockgitters des Münchner  Schlossers Valentin Eisenschmidt von 1644 (Seitenteile von 1862) öffnet sich ein lichter Saalraum von vier Jochen, der im Osten in den eingezogenen, jedoch  gleichhohen Chor mit einem Joch und 5/8-Schluss mündet. Trotz der weißen  frühbarocken Stuckdekoration spürt man die spätgotische Entstehungszeit des  Raumes: etwa in den hohen Spitzbogenfenstern, in den durch Schildbögen  verbundenen, abgefassten Wandpfeilern mit den zu ionischen Säulchen  umgestalteten Runddiensten oder in der netzrippenartigen Gewölbegliederung.  Eigentümlich ist die höfische Zweigeschossigkeit der Wände des Chorschlusses  und z.T. des Langhauses: unten verschattete Stichbogennischen, oben hohe helle  Fenster. Die einfühlsame Stuckierung von 1626, bei der die spätgotische  Struktur des Gewölbes von dem wohl vorher in München tätigen Meister (Mitglied  des Wolfratshauser Bautrupps von Georg Graf oder Veit Schmidt?) durch  zeitgemäßen Modelstuck unterstrichen wurde, bewirkte nicht nur eine Anpassung  des Raumes an einen neuen Geschmack, sondern interpretierte den Bau durch ein  marianisches und trinitarisches Bildprogramm neu, das teilweise in dem der  Hofkapelle der Münchner Residenz von 1614 vorgegeben war. Wie dort sind in den  Feldern des Chorgewöl-bes Anrufungen der Muttergottes gemäß dem 1577 von Petrus  Canisius verfassten Werk De Maria Virgine dargestellt, das nördlich der Alpen  wesentlich zur Verbreitung der biblischen Bilder des Hohenliedes, wie sie in  der Lauretanischen Litanei vereint sind, beitrug. So wird in Aufkirchen Maria  mit Sonne, Mond und Morgenstern, mit einem makellosen Spiegel, mit Zeder, Zypresse, Palme oder Olbaum, mit dem versiegelten Brunnen, Lebensbrunnen, Hortus  conclusus, der Porta clausa und Himmelspforte, mit dem Tempel und Thron  Salomons, Turm Davids und der Stadt Gottes verglichen. Auch die ionische Ordnung  der Kapitelle an den Diensten weist darauf hin, dass wir uns hier in einem marianischen Heiligtum befinden. Das Langhausgewölbe erfährt eine gewissen  Zentrierung durch die einprägsame Erklärung des Geheimnisses der Hlst.  Dreifaltigkeit, d.h. der Dreiheit der göttlichen Personen in der Einheit des  göttlichen Wesens; das verwendete Schema er-scheint bereits in der spätgotischen  Druckgraphik (vgl. Holzschnitt von 1524, Paris). Die Stuckdekoration des  westlichen Langhausjoches wurde beim Turmeinsturz 1783 zerstört.

Ausstattung.

Vom  Gewölbe hängt eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe aus Holz (Mitte 18.  Jh.) herab: der Crucifixus zwischen seiner Mutter und Johannes. Der gemauerte Altar stammt noch aus spätgotischer Zeit. Das Tabernakelgitter schuf 1962 die Bildhauerin Marianne Wuest (1- 1970) aus Berg. Von einem  Freskenzyklus (1. Drittel 17. Jh.) hat sich in den Mauernischen des  Chorschlusses die Herabkunft des Hl. Geistes auf Maria und die Zwölf Apostel  erhalten (sowie an der Nordseite der Vorhalle Fragmente des Bethlehemitischen  Kindermordes). In der Nordostnische sind große Votivkerzen aufgestellt.  Über dem Eingang zur Sakristei, in der schöne Barockschränke Wolfratshauser Schreiner stehen (einer 1612 datiert), erinnert ein von  Philipp Dirr aus Kalkstein gehauenes Epitaph an den bayerischen  Landschaftskanzler und vielseitigen Gelehrten Johann Georg Hörwarth zu  Hohenburg, der 1622 auf Schloss Allmannshausen gestorben ist. Außerdem sind in  der Sakristei zu bewundern: eine kleine Tragefigur des spätgotischen  Gnadenbildes, die geschnitzten Büsten (18. Jh.) der hlI. Augustinus und  Monika, einige Votivtafeln und Gewölbemalereien von etwa 1660.

Die ca. 1,70 m großen  Holzstatuen des "Salvator Mundi und der Regina Apostolorum” an der Laibung des  Chorbogens führen die Figurenreihe der Zwölf Apostel an, die sich auf  Konsolen vor Blendnischen der Langhausseitenwände in Fensterhöhe hinzieht. Der  aus Weilheim gebürtige Münchner Hofbildhauer Christoph Angermair (um 1580-1633)  und wie stilistische und qualitative Unterschiede zeigen Mitglieder seiner  Werkstatt schnitzten sie um 1626. Die von Angermair eigenhändig gestalteten,  monumentalen Figuren (Christus, Maria, Paulus, Thaddäus, Thomas, Johannes)  verarbeiten flämische und einheimische Vorbilder zu barock bewegten  Kompositionen voll Spannkraft und Konzentration. Am südlichen Seitenaltar thront dem Hilfesuchenden nahe gerückt  die spätgotische Muttergottes mit dem Jesuskind. Mit der rechten Hand reicht Maria mütterlich dem göttlichen  Kind eine Traube (Hinweis auf die Passion Christi). Das Ende des 15. Jh.  entstandene Gnadenbild ist eine Stiftung des bayerischen Herzogs Sigmund und war ursprünglich  das Zentrum des Hochaltarschreins, dessen Predella nach der Überlieferung noch  in Walchstadt bei lcking erhalten ist. Die Aufkirchener Muttergottes besitzt  eine große Ähnlichkeit mit der Madonna in der Klosterkirche Fürstenfeld; damit  dürfte auch sie im Umkreis jenes Münchner Bildhauers entstanden sein, aus  dessen Werkstatt wohl auch die marianischen Gnadenbilder in Andechs und  Ramersdorf hervorgingen. Das Gnadenbild hat seine eigene Geschichte: so blieb  es etwa beim Brand 1625 unversehrt, wurde mehrmals überarbeitet und neu gefasst  und 1704/05 während des Spanischen Erbfolgekrieges in die Münchner  Augustinerkirche in Sicherheit gebracht; 1961/62 wurden alle nachträglichen  Zutaten entfernt. Zahlreiche Votivtafeln (zumeist des 18.119. Jh.) bezeugen, in wie vielen seelischen und körperlichen Nöten die Gottesmutter hier  angerufen wurde und Hilfe brachte. Die älteste erhaltene erinnert in Wort und  Bild an die gefahrvolle Situation des kurbayerischen Hoftrompeters Cäsar  Bendinelli bei einer Donaufahrt nach Wien 1582. An der gegenüberliegenden Seite  des Chorbogens steht heute der kelchförmige Taufbrunnen des Münchner  Hofsteinmetzpaliers Wilhelm Pader von 1645 mit der üblichen Holzgruppe der  Taufe Jesu durch Johannes auf dem modernen Deckel (von Pader vermutlich auch die  beiden Weihwasserbecken an den Seitenportalen). Die jetzige achteckige Barockkanzel, deren Schalldeckel und Fuß verloren sind, kommt aus  Degerndorf und ist - wie die bei der Regotisierung Aufkirchens beseitigte  Kanzel von 1668 - ein Werk Wolfratshauser Meister; an der Brüstung sind Gemälde  der vier Evangelisten zu sehen; Lukas ist wohl ein Selbstporträt des unbekannten  Malers. Ebenfalls im 17. Jh. entstanden die vorzüglich innen und außen  geschnitzten Türen der Seitenportale, die ihresgleichen suchen. Johann  Georg Leuthner aus Drößing lieferte 1756 die Kirchenbänke, die Ferdinand  Bidermann aus Starnberg fasste. An den Langhauswänden und der unteren  Emporenbrüstung reihen sich 14 Kreuzwegbilder von 1756, Leihgaben aus  Mörlbach, bei denen die fahlen Farben und die Beschränkung auf wenige große  Figuren auffallen. Die neugotische Orgel mit 2 Manualen und 17 Registern  auf der oberen Empore baute 1888 Johann Georg Beer aus Erling; sie wurde 1976  durch die Fa. Steinmeyer, Oettingen,  restauriert

Bruderschaftskapelle Maria Trost.

Durch  das südliche Vorzeichen der Kirche, das aus spätgotischer Zeit stammt und am  Kreuzrippengewölbe mit Marienblumen von Anton Schöpfer (1644) geziert ist,  gelangt man auch in die westlich angefügte Barockkapelle, einen dreijochigen,  durch eine Hängekuppel zentrierten Bau mit zwei Fenstern in der Südwand. Das  barocke Säulenretabel (über dem Confessio-Altar) mit den Seitenfiguren der hll.  Ambrosius und Augustinus umrahmt ein Gemälde Ignaz Bidermanns: Maria übergibt  der hl. Monika den schwarzledernen Gürtel. Die Gürtelbruderschaft Maria vom  Trost wurde als dritte Bruderschaft (nach der Corpus-Christi- und der  Rosenkranz-Bruderschaft) 1707 in Aufkirchen eingeführt. Sie geht auf die  Initiative der Augustiner-Eremiten zurück, welche die Verehrung der Maria vom  Trost seit dem Ende des 16. Jh. verbreiteten. Zur Weihnachtszeit nimmt die  Kapelle die weithin berühmte Krippe auf, ein Werk des Bildhauers Josef Hien,  Ottobrunn.

Wallfahrt.

Spätestens seit dem 15. Jh. ist Aufkirchen Ziel einer  Marienwallfahrt. Die Pilger kamen einzeln oder in Gruppen vor allem aus dem  Gebiet der jetzigen Land-kreise Starnberg, Bad Tölz -Wolfratshausen,  Fürstenfeldbruck und München sowie aus der Landeshauptstadt selbst. Für die den  See überquerenden Wallfahrer konnte 1857 von Leoni aus ein Kreuzweg nach  Aufkirchen eingeweiht werden, des-sen 14 Stationen, neugotische Ädikulen mit  Terrakottareliefs des Schwanthaler-Schülers Anton Ganser, von Baurat Johann  Ulrich Himbsel gestiftet worden waren, wie das Tondo seines Namenspatrons  Johannes Baptist jeweils am Giebel andeutet. Sechs Mirakelbücher, die vom  frühen 17. Jh. bis 1803 geführt wurden, rund 70 noch erhaltene Votivtafeln, die  zwischen 1582 und 1978 gestiftet wurden, und acht Votivkerzen künden von ca.  20000 Gebetserhörungen in Nöten aller Art, wie Krankheit, Unfall oder  Feuersbrunst. Darüber hinaus sind diese Bilder unerlässliche Quellen für die  Volkskunde. Zu verschiedenen Zeiten pilgern noch heute alljährlich folgende  Gemeinden nach Aufkirchen: Dorfen-Wolfratshausen, Emmering, Neueried,  lcking-Walchstadt-Wadlhausen-Attenhausen, Münsing-Degerndorf, Oberfinning und  Schäftlarn. Hauptwallfahrtstag ist das Patrozinium am 15. August: Reicher  Blumenschmuck verwandelt das Kircheninnere wie auch an den übrigen Hochfesten  des Jahres in einen Festsaal Gottes. Seit 1962 nimmt nach Einbruch der  Dunkelheit die große Aufkirchener Lichterprozession von der Kirche ihren  Ausgang. Über 1000 Wallfahrer aus nah und fern erflehen wie seit alters die  Fürbitt Mariae, dass ihr Sohn geben möge Segen, Gnade und Frieden den Menschen  und dem Land, das sie bewohnen. Ihre Zahl steigt von Jahr zu Jahr; denn die  Sorgen und Nöte der Menschen unserer Zeit sind nicht geringer als in vergangenen  Jahrhunderten. Auch für die heutigen Wallfahrer gilt der alte Pilgerruf: “Bitte  für uns alle, die wir zu Dir kommen, Mutter von Aufkirchen”. (Msgr. Alfons  Wimmer).

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