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Mörlbach

St. Stephanus in Mörlbach

Patrozinium 26. Dezember

Die Kirche ist als „schutzwürdiges Kulturgut“ im Sinne der Haager Konvention eingestuft.

Geschichtliches.

Der kleine Ort lässt sich schon 1115 als Ministerialensitz in den Quellen nachweisen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde er als Hofmark im Besitz der Grafen Ruepp, später (Mitte 17. Jh.) der Freiherrn von Mändl geführt. Baudaten der Kirche sind nicht überliefert. Apian erwähnt in seiner 1582 verfassten „Topographie Bayerns" nur ,,Merlbach pagus, templum". Den einzigen Anhaltspunkt in der Datierungsfrage erhalten wir durch das Stifterfenster im Chor mit der Jahreszahl 1510. Daher können wir annehmen, dass Mörlbach im ausgehenden Mittelalter von einem der in dieser Gegend sehr angesehenen Adelsgeschlechter, den Thorern von Eurasburg, reich beschenkt wurde. Die Adelsfamilie scheint auch die barocken Umgestaltungen der Kirche veranlasst zu haben, denn die beiden nachträglich in die Predella des Stephanusaltars eingefügten Wappen derer von Donnersberg und von Ruepp nennen die Jahreszahl 1607. Später kamen die Freiherren von Mändl nach Mörlbach. Heute noch erinnert man sich an den ehemaligen Mändlhof und es gibt den Mentlweg.

Der Außenbau.

Von Norden her nähern wir uns der Stephanuskirche. Aus ihrer spätgotischen Hauptsubstanz ragen die im 17. Jh. an der Nordseite angebaute Sakristei und der schmale Spitzhelmturm, welcher im 19. Jh. einen schlanken Zwiebelturm ablöste, heraus. Den dreiseitig schließenden Chor umzieht ein Sims in Sockelhöhe.

Der Innenraum.

Durch die schwere, an der Nordseite gelegene alte Tür gelangt man in den einschiffigen Raum.
Links vom Eingang befindet sich ein Armeseelenbrett.  Der vermutlich aus der Barockzeit stammende Ziegelboden des Langhauses trägt wesentlich zum geschlossenen Raumeindruck bei. Ein weiter Triumphbogen führt in den Chor, der die Breite des Langhauses aufweist. Hier ist die Spätgotik baulich unverändert erhalten. Besonders reizvoll wirken die gut erhaltenen Glasgemälde des Südostfensters. Der mittlere Teil der Verglasung ist in spätgotischem Stil mit vier Figuren unter Maßwerkbaldachinen bemalt. In der linken Hälfte gruppieren sich der Hl. Andreas mit seinem Kreuz und der unter ihm kniende Stifter Caspar von Thor. Darunter, über beide Fensterbahnen verteilt, lesen wir auf einem ausgerollten Spruchband: „Caspar vom Tor zw Eirspurg 1510". Im Okulus ganz oben leuchten die Geschlechterwappen der Herren der Iringsburg und ihrer Nachfolger, der Thorer, bekrönt von Helm, Zimier und Decken.

Das Inventar.

Die Kirche von Mörlbach beherbergt zwei kunsthistorische Kleinodien, Schnitzwerke von hohem Rang: Den Hochaltar und den seitlich im Langhaus angebrachten Verkündigungsaltar..Der dem hl. Stephanus geweihte spätmittelalterliche Hochaltar führt uns in die unmittelbare Nähe eines bemerkenswerten Meisters des ausgehenden Mittelalters: des Meisters des Hochaltars in Rabenden. Der Stephanusaltar besitzt einen von der Predella getragenen Figurenschrein mit zwei daran befestigten Drehflügeln und zwei schmalen Standflügeln. Der Schrein des Altares birgt die drei vollplastischen Figuren des Kirchenpatrons Stephanus zwischen den Heiligen Jakobus dem Älteren und Sebastian. Alle Heiligen sind durch ihre Attribute gekennzeichnet: Stephanus präsentiert mit der linken Hand in seinem leicht gerafften Obergewand vier Steine, die auf sein Martyrium, die Steinigung, hinweisen; in der halb erhobenen rechten hält er die Märtyrerpalme. Sebastian, ebenfalls mit Märtyrerpalme, ist mit entblößtem, von Pfeilen durchbohrten Oberkörper dargestellt; Jakobus schließlich, der Patron der Pilger, ist durch seinen breitkrempigen Pilgerhut, dem Pilgerstab und die Jakobsmuschel gekennzeichnet. Die reliefgeschmückten Innenseiten der beiden Altardrehflügel zeigen auf vier Feldern die 12 Apostel mit ihren Attributen: Links oben Johannes Ev. mit Kelch, Andreas mit Kreuz, Petrus mit Schlüssel; links unten Jakobus d. A. mit langer Haar- und Barttracht, Judas Thaddäus mit Keule, Simon mit Säge; rechts oben Philippus mit Kreuzstab, Thomas mit Schwert und Buch, Jakobus d.J. mit Walkerstange; rechts unten Paulus mit Schwert und Buch, Matthäus mit Hellebarde, Bartholomäus mit Schindmesser. Wie im Schrein bekrönen je drei mit Rankenwerk verzierte Arkaden die Figurengruppen. Die Rückseiten der Altardrehflügel zeigen Szenen aus der Passion Christi. Von links oben nach rechts unten: Christus am Ölberg, Dornenkrönung, Geißelung und Grablegung. Am geschlossenen Altar werden nun auch die Standflügel sichtbar: links die Schmerzhafte Mutter Gottes (mit Schwert in der Brust) und rechts Johannes Ev. Vorder- und Rückseite der Predella sind bemalt. Vorn sehen wir im Zentrum auf zwei Schiebetürchen die Pieta, links die Grablegung und rechts die Auferstehung Christi. Seitlich der Predella, unter den Altarflügeln, befinden sich zwei nachträglich angebrachte Wappen (Jahreszahl 1607) der Familien derer von Donnersberg und von Ruepp, denen wir noch weitere bereichernde Veränderungen der Kirche zu verdanken haben. Die Rückseite der Predella zeigt das von zwei Engeln getragene Schweißtuch Christi. Vermutlich stammt die geschnitzte, jetzt in einer Glasvitrine an der südlichen Langhauswand aufbewahrte zierliche Pieta ursprünglich aus dem Schrein der Predella, wohin sie ihrer Größe nach genau passen würde. Der Altar wurde am 25. Juni 1708 konsekriert.  Der Marienaltar (Verkündigungsaltar) - ein Retabel aus der Zeit um 1480 (nördliche Langhauswand) - ist das zweite überragende Ausstattungsstück. Wie und wann er in die Kirche gelangte, ist ungeklärt. Aufgrund seiner überaus schönen Flügelgemälde verleiht dieses Werk dem noch anonymen Schöpfer seinen Namen: Meister des Mörlbacher Marienaltars. Die Szene im Schrein zeigt den Erzengel Gabriel, der Maria ihre Auserwählung zur Gottesmutterschaft verkündet. Mit seinen mächtigen Schwingen füllt Gabriel den Schrein fast in voller Höhe. Er wendet sich Maria zu, die, die Hände vor der Brust kreuzend, andächtig in die Knie gesunken ist. Ob Schnitzereien und Altargemälde vom gleichen Künstler stammen, ist ungeklärt. Die Tafelmalereien der Flügel stellen Szenen aus dem Marienleben dar. Von links oben nach rechts unten erkennen wir am geöffneten Altar: Tempelgang Mariae, Heimsuchung, Darbringung Christi im Tempel, Flucht nach Ägypten. Und außen: Joachim wird die Geburt Mariens angekündigt, Geburt Mariae, Geburt Christi, Anbetung der Heiligen Drei Könige. Die beiden Einzeltafeln an der Chorlaibung beinhalten rechts die Zurückweisung Joachims Opfer und links die Vermählung von Maria und Josef. Bei einer Kirchenbesichtigung sollte man nicht versäumen, auch den Eindruck der geschlossenen Flügel bei beiden Altären mitzunehmen. Zum Originalinventar vom Anfang des 16. Jh. gehört das schlichte Chorgestühl aus Eichenholz. Flachgeschnitzte Friese in Pflanzenornamentik schließen das Gestühl nach oben hin ab; auf dem südlichen finden wir wieder die Stifterwappen der Thorer und der Iring, auf dem nördlichen ein Sparren-Wappenschildchen. Zum Chorgestühl gehören auch zwei einfach gewundene Leuchterstangen aus der gleichen Zeit. Das mit feinen Arabesken bemalte Lesepult von 1591 trägt den Namen Jesu und die Namen seines Stifters Walthaser Khistler. Ein dazugehöriges sehr altes Lederkissen ist mit zarten Pflanzenornamenten verziert. Die einfache Renaissancekanzel befindet sich an der Nordwand des Kirchenschiffs. Ihr flacher Schalldeckel ist nicht mit dem Kanzelkörper verbunden, sondern einzeln gefertigt. Wie die Kanzel entstand wohl auch die mächtige Westempore um 1600. Sie füllt die ganze Breite des Langhauses, ihr Gewicht lastet massig auf einem kräftigen gedrechselten Pfeiler, in dessen unteren Teil ein Opferstock eingearbeitet ist. Über der Empore, den Okulus flankierend, befinden sich zwei große Tafelbilder in ländlich-naivem Stil. Die Gemälde, welche die Heiligen Sophie und Sarah sowie Paulus und Christophorus darstellen, gehörten zu einem vermutlich verschollenen Hausaltar der Familie Ruepp. - Ein barockes Ölbild über dem Eingang zeigt die Steinigung des hl. Stephanus in Gegenwart des Saulus. Ebenfalls aus der Barockzeit stammen die beiden kleinen trefflich gearbeiteten Leuchterengel auf der Mensa des Stephanusaltars, das Kirchengestühl im Langhaus und zwei dort befindliche Vortragekreuze. Im Hintergrund des Chores, beiderseits des Stephanusaltars, sehen wir zwei farbig gefasste Holzskulpturen auf marmorierten Holzsockeln: Nikolaus von Tolentin und den hl. Leonhard. Die Verehrung des Predigers und Wundertäters Nikolaus v.Tolentin, eines Patrons Bayerns, erreichte im 18Jh. einen Höhepunkt. Immer als Augustiner-Eremit in schwarzer Tracht dargestellt, erscheint er hier als jugendlicher Mönch mit seinen Attributen Lilie und Stern. Der Sockel trägt den Namen des Stifters Joseph Rieger aus Mörlbach und die Jahreszahl 1773. Die Plastik des hl. Leonhard ist ebenfalls eine Stiftung Joseph Riegers aus dem Jahr 1778. Seit dem 16. Jh. gilt er hier als Viehpatron, vor allem der Pferde. Er wird mit Abtstab und Kette dargestellt, entsprechend seiner Stellung als Benediktinerabt und Gefangenenpatron. Zu erwähnen sind noch 2 Votivgabenschreine alten Ursprungs an der Ostseite des Chores (Pferde und Rinder aus rotem Wachs, Arme und Beine, wächsernes Fatschenkindl, Eisenpferd, kleine Votivtafel MAS 1768), eine kleine hölzerne Stephanusfigur und ein Schmerzensmann. Alte Wandmalereien ergänzen die reiche Ausstattung des alten Kirchleins. Die zwei Glocken werden noch mit Seilen per Hand zum Läuten gebracht.

Beim jährlichen Kirchenpatrozinium am Stephanitag (2. Weihnachtstag) wird seit alters her das von den Dorfbewohnern mitgebrachte Salz und Wasser geweiht. Ins Futter gemischt soll das „Stephanisalz“ den Tieren im Stall Gesundheit verleihen. Daneben werden sie zum Segen mit dem geweihten Wasser besprengt. Ebenso alt ist wohl die Tradition des Mörlbacher Pferdeumrittes. Früher umrundeten die Bauern mit ihren Arbeitspferden dreimal das kleine Gotteshaus, heute sind es hauptsächlich Reitpferde, die nach dreimaliger Dorfumrundung vom Pfarrer mit Weihwasser besprengt werden. Soweit möglich, wird an den Freitagen eine Morgenmesse zelebriert.

Quellen:
Schnell, Kunstführer Nr. 1636
Schober: Landkreis Starnberg, Denkmäler in Bayern Band I.21
SZ Wichtige Zeugnisse der Altarschnitzkunst, Freitag, 5. Sept. 1997

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